eRezept

Welche Grundlage hat das eRezept?

Mit dem Gesetz für mehr Sicherheit in der Arzneimittelversorgung (GSAV), das am 16. August 2019 in Kraft getreten ist, sollen die Sicherheit und die Qualität in der Arzneimittelversorgung deutlich verbessert werden. Das Gesetz enthält auch den Fahrplan zur schrittweisen Einführung des elektronischen Rezepts. Mit dem Gesetz wird die Selbstverwaltung verpflichtet, die notwendigen Regelungen für die Verwendung des elektronischen Rezepts zu schaffen. Die im Gesetz angeführte Frist beträgt sieben Monate ab Inkrafttreten des Gesetzes. Für Apotheker relevant sind die notwendigen Änderungen am Rahmenvertrag, den der GKV-SV und der Deutsche Apothekerverband aushandeln. Die Kassen und Apotheker haben sieben Monate Zeit (bis Ende März 2020) um die Verträge zu ändern.

 

Wie funktioniert das eRezept?

So könnte der Ablauf mit einem eRezept im Idealfall aussehen: Der Patient ist krank, geht zum Arzt und bekommt von diesem ein Rezept für die benötigten Medikamente ausgestellt. Statt dem bisherigen Papierrezept geschieht dies nun digital und wird direkt in die App des Patienten (z. B. callmyApo) übertragen. Damit die Daten sicher sind, werden sie aber nicht auf dem Smartphone des Patienten gespeichert, sondern liegen zentral auf einem sogenannten Rezeptspeicher. Diese Rezepte sind von allen relevanten Marktpartnern, wie Ärzten, Apotheken, Krankenkassen, und auch dem Patienten nur mit einem speziellen Schlüssel (Passwort) lesbar. Diesen Schlüssel kennen erstmal nur der Arzt und der Patient.

Mit dem digitalen Rezept kann der Patient nun seine Medikamente ganz bequem über eine App, in der Apotheke seiner Wahl, vorbestellen. Hierbei übermittelt die App den Schlüssel für das eRezept an die Apotheke. Unser langfristiger Plan sieht vor, dass in den Apotheken externe Bestellungen und Anfragen über DIE deutsche Apotheken Plattform (DDAP) der NOVENTI entgegengenommen werden. Ist die DDAP mit einem entsprechenden Warenwirtschaftssystem (z.B. awintaONE, PROKAS) verbunden, kommuniziert sie direkt mit der Warenwirtschaft. Wenn ein Medikament nicht vorrätig ist, kann die Warenwirtschaft automatisch beim Großhandel bestellen.

 

Gleichzeitig geht eine Information an die App des Patienten und der Kunde erfährt so, wann seine Vorbestellung abholbereit ist. Beim folgenden Besuch in der Apotheke identifiziert sich der Patient gegenüber der Apotheke mit dem Schlüssel und erhält die notwendige Beratung.

Anschließend kann das eRezept zur Abrechnung. Da das Rezept bereits digital ist, muss es nicht mehr eingescannt werden und kann direkt an die NOVENTI HealthCare (ALG, VSA und SARZ) übertragen und abgerechnet werden. Das spart viel Zeit und schont auch die Umwelt. Warum? Weil es nicht mehr notwendig ist, jeden Monat Tonnen an Papierrezepten von den Apotheken zur Abrechnung nach München zur NOVENTI zu fahren und hiernach die Berge an Papierrezepte auch noch weiter zu den Krankenkassen zu transportieren.

Der beschriebene Prozess ist nur ein möglicher Weg. Die verschiedenen Player des Gesundheitsmarktes beschäftigen sich derzeit mit einer Vielzahl an Projekten, die das eRezept betreffen. Die NOVENTI ist bei fast allen Projekten maßgeblich beteiligt. 

Wo gibt es das eRezept heute schon?

In einigen Modellprojekten (PKV und GKV) wird das eRezept heute schon angewendet bzw. demnächst angewendet werden. Die digitale Verordnung läuft hier über eigene, von der TI unabhängige, Strukturen. Das größte Modellprojekt im GKV-Bereich soll im Herbst unter dem Namen GERDA (Geschützter eRezept-Dienst der Apotheken) in Baden-Württemberg starten. Mit den hier gesammelten Erfahrungen wird ein wichtiger Grundstein für den Aufbau der bundesweiten eRezept-Struktur gelegt. Alle wichtigen Spieler (Ärzte, Apotheker, Softwarehäuser, Rechenzentren, Krankenkassen u.a.) sind in diesem Projekt vereint und können entscheidende Grundsatzfragen klären. Im Rahmen der Ausschreibung der NGDA (Netzgesellschaft Deutscher Apotheker) für das Projekt GERDA konnte die NOVENTI mit ihrer Erfahrung und technischem Know-how überzeugen und sich erfolgreich gegen drei weitere Mitbewerber durchsetzen.

 

Wann kommt das eRezept?

Aktuell gibt es für eine bundesweite, flächendeckende Einführung des eRezepts noch keinen verbindlichen Zeitpunkt. Neben regulatorischen Grundlagen müssen technische Voraussetzungen gegeben sein, um eRezepte sicher und verschlüsselt transportieren zu können. Wie oben beschrieben soll es ab 2020 in Deutschland möglich sein, Rezepte auch voll elektronisch abwickeln zu können. Wir gehen davon aus, dass über einen längeren Zeitraum ein Parallelbetrieb laufen wird, bis alle Marktpartner vollumfänglich angeschlossen sind. Zudem wird der Patient (zumindest zu Beginn) wählen können, ob er ein elektronisches oder ein herkömmliches Rezept möchte. Alle Systeme der NOVENTI werden sowohl die Abwicklung von herkömmlichen Rezepten als auch die von digitalen Rezepten beherrschen. Die Abrechnung wird somit auch kein Problem sein, da alles gemeinsam bearbeitet werden kann.

 

Wird es ab 2020 ausschließlich eRezepte geben?

Nein. Keiner weiß, wie schnell sich der Markt entwickelt, denn neben den technologischen Entwicklungen spielt auch die Politik eine große Rolle. Aber eines ist sicher: Als Teil der NOVENTI Group sind wir als awinta auf alle Szenarien vorbereitet und können den kompletten Prozess von der Erstellung des eRezeptes, über die Warenwirtschaft bis zu Abrechnung abbilden.

 

 


 

Glossar

Gesetz für mehr Sicherheit in der Arzneimittelversorgung (GSAV) Das seit dem 16. August 2019 in Kraft getretene Gesetz zielt auf eine verbesserte Qualität und Sicherheit der Arzneimittelversorgung ab. „Bundes- und Länderbehörden (sollen) besser zusammenarbeiten und Apotheken sowie Herstellbetrieben stärker kontrolliert werden.“

callmyApo – ­ DIE Deutsche Apotheken App / DIE deutsche Apotheken Plattform (DDAP) Mit der App callmyApo können Medikamente von überall und rund um die Uhr in der Apotheke vor Ort vorbestellt werden. Offiziell nehmen bereits über 4.500 Apotheken an callmyApo teil.
Zusätzliche Services: Chatten mit der Apotheke vor Ort, Medikationsplan digitalisieren, Medikamentenvorrat überwachen

GERDA (Geschützter eRezept Dienst der Apotheken) in Baden-Württemberg Mit dem eRezept sollen Patienten von innovativen Angeboten wie der Telemedizin profitieren. Ein wichtiges Projekt in Baden-Württemberg ist GERDA, konzipiert von der Landesapothekerkammer und Landesapothekerverband Baden-Württemberg, unterstützt durch das Ministerium für Soziales und Integration Baden-Württemberg. GERDA nutzt bestehende Strukturen aus dem Ärzte- und Apothekenbereich. Die NOVENTI hat den Zuschlag für die Realisierung wesentlicher Bestandteile des eRezeptes erhalten.

Netzgesellschaft Deutscher Apotheker (NGDA) Die Hoheit über die notwendige Infrastruktur liegt nach wie vor bei den Apotheken, die fachliche Verantwortung bei der Avoxa-Tochter NGDA (Netzgesellschaft Deutscher Apotheker). Die NGDA hat das Projekt GERDA ausgeschrieben, worauf die NOVENTI mit der Realisierung und technischen Entwicklung des eRezept-Servers beauftragt wurde. Weil die NOVENTI laut dem Verband ABDA in der Ausschreibung „nach sorgfältiger Abwägung aller inhaltlichen, qualitativen und preislichen Komponenten das beste Angebot abgegeben“ hat.
Die Beta–Version der NOVENTI Software wurde bereits ausgeliefert und ist von der NGDA am 14. Juni 2019 freigegeben worden.

Telematik-Infrastruktur (TI) Um eRezepte sicher und verschlüsselt transportieren zu können, müssen technische Voraussetzungen gegeben sein. „Die Telematikinfrastruktur (TI) vernetzt alle Akteure des Gesundheitswesens im Bereich der Gesetzlichen Krankenversicherung und gewährleistet den sektoren- und systemübergreifenden sowie sicheren Austausch von Informationen. Sie ist ein geschlossenes Netz, zu dem nur registrierte Nutzer (Personen oder Institutionen) mit einem elektronischen Heilberufs- und Praxisausweis Zugang erhalten.“
Als Telematik wird die Vernetzung verschiedener IT-Systeme und die Möglichkeit bezeichnet, Informationen aus unterschiedlichen Quellen miteinander zu verknüpfen.“

Heilberufsausweise (HBA) „Mit dem HBA können sich Apothekerinnen und Apotheker auch gegenüber der TI und der eGK ausweisen und vertraulich (verschlüsselt) kommunizieren. Des Weiteren enthält der HBA eine qualifizierte elektronische Signatur des Apothekers.“ Die HBA werden von den Landesapothekerkammern ausgestellt.

Landesapothekerkammern Das Projekt GERDA hat die Landesapothekerkammer Baden-Württemberg konzipiert. Die Heilberufsausweise (HBA), die für die Anwendungen (eRezept, eGK, ePatientenakte etc.) wichtig sind, stellen die Landesapothekerkammern aus.

 

Kontakt

(0 71 42) 5 88-0
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